Historie

Einleitung

Es gibt eine Chronik von Niederaußem, die der Heimatverein 1974 herausgegeben hat. Dieses Buch steht schon seit Jahrzehnten bei mir im Bücherregal. Anlässlich verschiedener Vereinsjubiläen des SV "E" wurden zudem Festschriften veröffentlicht, die zum Teil hoch interessant die Geschichte des SV „Erftstolz“ Niederaußem beschreiben.
Da ich persönlich sehr gerne solche Sachen lese habe ich mir gedacht, dass es sicher auch für Andere, insbesondere unsere Kids aus der Fußball-Jugend mal lohnenswert ist, in Anekdoten, teilweise lustig, teilweise traurig, zu stöbern.

„Früher war alles besser“ hört man die Alten oft sagen. Aber war es das wirklich? Auch ich saß vor rund 25 Jahren bei meinem Trainer Paul Walter Anders im VW-Käfer und fuhr zu einem Auswärtsspiel – mit 8 (acht!!!) weiteren Spielern im Auto. Heute unvorstellbar.

Mit meinen Recherchen habe ich jetzt einfach mal angefangen und würde mich freuen, wenn der ein oder andere Leser mir weitere Geschichten rund um den SV „Erftstolz“ zur Verfügung stellt. Für den Teil I - Fußball in Niederaußem vor 1926 - habe ich leider nur ein Foto. Ab dem Teil II sind dann aber super Bilder dabei.

Euer ehemaliger Jugendleiter
Wolfgang Sevenich

  • Teil 1: 1914 bis 1925

    Kaufverhandlungen für ein Grundstück

    Die Versammlung der Niederaußemer Gemeinderäte beschloss bereits am 26. Juni 1914 den Kauf eines Grundstückes neben dem Schützenplatz. Die Bezeichnung des Grundstückes lautete: Aus dem Besitz Hambloch, Fischer Hof. Der Preis: 1.000 Mark pro ar. Der Grund: Anlegung eines Sport- und Spielplatzes. 

    Leider machte der Ausbruch des 1. Weltkrieges diesen schönen Plan zunichte und es kam nicht zum Kaufabschluss. Eine derart örtliche Unterstützung zu einer Zeit, da es noch keine staatliche Hilfe für den Sport gab, war sehr selten. Der Fußballsport, der sich bis dahin nur in den Städten entfaltete, hatte auch schon einige Freunde im Kreis Bergheim gefunden. Die breite Öffentlichkeit stand der neuen Sportart , deren Werte für die Leibesertüchtigung nicht recht erkannt wurde, mit einer verständnislosen, überwiegend sogar in einer ablehnenden Haltung gegenüber. In Niederaußem trugen die englischen Besatzungssoldaten nach dem ersten Weltkrieg mit dazu bei, die bis dahin hemmenden Vorurteile gegen den Fußball auszuräumen.

    KAUFVERHANDLUNGEN FÜR EIN GRUNDSTÜCK

    Quellen: Festschrift 40 Jahre SV „Erftstolz“ Niederaußem, Auszüge von Christian Weitz

    Im Jahr 1920 kehrte der in englischer Gefangenschaft gewesene „Schnieder-Schnieder“, Schneidermeister Johann Schneider, aus Frankreich heim. Wie auch andere Niederaußemer hatte er von den Engländern das Fußballspielen erlernt und war begeisterter Freund dieser Sportart geworden. Die ehemaligen Gefangenen hätten nun hier auch gerne gespielt, aber dazu fehlte der notwendige Ball. Die Tommys, die als Besatzer im Saale Wintz Quartier genommen hatten, besaßen Fußbälle in reichlicher Anzahl. So beschloss Johann Schneider, mit einigen unternehmungslustigen jungen Männern, durch die Gärten und dann durch ein aufgebrochenes Fenster in das englische Quartier einzusteigen, um einen Fußball zu „besorgen“. Die jungen Einbrecher wurden von den Engländern erwischt und verdroschen. Das Unternehmen hatte trotzdem Erfolg, den „besorgten“ Ball durften sie behalten. Damit war der Anstoß zum ersten Fußballspiel in Niederaußem möglich geworden. Rasch wuchs die Zahl der Fußballspieler und der Initiator Schneider konnte in Köln drei Fußbälle aus Militärbeständen zum Preis von 2 Mark je Stück erwerben. Es ist bewundernswert zu sehen, wie aus den primitivsten Anfängen und aus eigener Kraft heraus nun auch in Niederaußem jene Fußballsport treibende Bewegung entstand, die im Laufe der Jahre die Herzen der Sportbegeisterten entdeckte. 

    Der Ball war 1920 ins Rollen gekommen, aber durch die schwierigen Umstände der Nachkriegszeit war eine echte Vereinsbildung noch nicht möglich. Jedoch die Zahl der Fußballspieler und der Anhänger wuchs so schnell, dass der Gemeinderat in seiner Sitzung am 25. Juni 1920 das Thema „Fußballplatz“ behandelte. Damit waren die Schwierigkeiten der Platzbeschaffung noch nicht behoben. Die bislang planlosen Fußballtreter pachteten einen Acker, hinter Siepens Feldscheune, an der Bergheimer Chaussee gelegen. So entstand eine Spielgemeinschaft, zusammen gefügt durch Bande der Freundschaft und der Kameradschaft. Auf diesem Platz kam es dann zu den ersten freundschaftlichen Begegnungen. Als der Pachtzins für das Spielfeld fällig wurde zeigte sich recht deutlich, dass bei heller Begeisterung für den neuen Sport und aller Freude am Spiel, es ohne organisierten Vereinskram nicht geht. Für die mittellosen Fußballer sprang der damalige Ortsvorsteher Heinrich Kaulen in die Bresche und zahlte die Pacht. Aber der Acker wurde den Sportlern gekündigt und die Spielplatzfrage war zu der Zeit eine heikle Angelegenheit. So einfach auch der Beginn des Fußballspielens klingen mag, so schwierig waren dagegen in den Anfängen die Begleiterscheinungen, die zu überwinden es ein gerütteltes Maß an Optimismus und Idealismus bedurfte. Mit viel Fantasie und Geschick mussten besonders die finanziellen Schwierigkeiten gelöst werden. Johann Schweren und Johann Schneider waren die Hauptaktiven, die die Spieler aus der bisherigen Behelfsmäßigkeit zu einem organischen Aufbau führten. Noch nicht als Verein mit Verbandsanschluss, aber als „Sportabteilung Niederaussem“ schlossen sich alle Fußballer zusammen. Der Übungsplatz, der auf dem Bahndamm von der Reichsbahn nicht lange geduldet wurde, kam auf eine Wiese am Broichshof, dann hinter den Meulshof und schließlich wieder auf Reichsbahngelände zwischen altem Bahnhof und neuem Bahndamm. Bis 1922 brachte es die Sportabteilung auf drei komplette Fußballmannschaften bei rund 1.000 Einwohner. Jede der Mannschaften trug andere Farben. Die in Blau-Weiß spielende erste Mannschaft errang auf einem Turnier in Oberaußem im Jahre 1922 nach 11 Kurzspielen von jeweils 10 Minuten, im Endspiel gegen Jugend Bergheim 07 den Kreispokal. Im gleichen Jahr veranstalteten Sportabteilung und Turnverein gemeinsam ein großes Sportfest mit viel auswärtiger Beteiligung. Es wurden leichtathletische Wettkämpfe und ein Fußballturnier ausgetragen. Der Veranstaltung ging ein großartiger Festzug voraus, an dem sich alle Sportler in ihrem bunten Dress beteiligten. Alle Teilnehmer waren unter sich durch lange bunte Bänder verbunden. Mit Musik zogen die Sportler durch den ganzen Ort. Alle Häuser waren beflaggt, die Veranstaltung wurde zu einem wahren Volksfest. Noch Jahrzehnte später leuchteten die Augen der Veteranen, wenn von der sportlichen Werbewirksamkeit dieses Festes die Rede ist.
    Mit diesem Erfolg wurde die opponierende Haltung der Öffentlichkeit und die noch sportfremde Einstellung manchen Elternhauses ausgeräumt. Nur die Reichsbahn konnte sich mit den großen Teilnehmer- und Besucherzahlen nicht anfreunden. Die Frage nach einem Übungsplatz wurde erneut akut. Am 27. Juni 1922 beriet der Gemeinderat über den Antrag der Sportabteilung auf Zuweisung eines geeigneten Fußballplatzes. In seiner Sitzung am 31. August 1922 wurde über Verhandlungen mit IG Farben Leverkusen, die in der Gemarkung große Grundstücksflächen besaßen, berichtet. Die in Frage kommenden Parzellen gingen dann auf die Gewerkschaft Garsdorf über. Daraufhin beschloss der Gemeinderat am 18. September 1922 in der Sportplatzfrage mit diesem Unternehmen zu verhandeln. Leider blieben die Bemühungen erfolglos und der Gemeinderat konnte am 17. Januar 1923 feststellen, dass kein geeignetes Gelände für einen Fußballplatz verfügbar sei und der Sportabteilung nur die gemeindeeigene Kiesgrube als Übungsplatz anzubieten bliebe. Der Spielbetrieb ging indessen auf dem Reichsbahngrundstück weiter. Wegen der fehlenden Verbandszugehörigkeit immer nur Freundschaftsspiele auszutragen konnte die Niederaußemer Fußballer auf die Dauer auch nicht befriedigen. Während anfangs die Jüngeren kaum die Regeln des Fußballspieles kannten, und den eigentlichen Wert des Spiels nicht verstanden, nahm nun selbst bei den Schülern das Spiel Gestalt an und bald standen alle Mannschaften so gut trainiert auf den Beinen, dass sie den Anschluss an einen Verband hätten wagen können…

  • TEIL 2: 1926 BIS 1945

    GRÜNDUNG DES VEREINS

    GRÜNDUNG DES VEREINS

    Quellen: Festschrift 40 Jahre SV „Erftstolz“ Niederaußem, Auszüge von Christian Weitz

    Unter dem Protektorat des damaligen Dechanten Giersberg entschlossen sich die Fußballer im Jahre 1926 zu einer echten Vereinsgründung mit Anschluss an die DJK. Als Farben für den Dress wählte man Grün-Weiß und dem Verein gab man den Namen „Erftstolz“. Die Gründungsversammlung fand im kleinen Sälchen der Schenkwirtschaft Adam Wolf statt. Aus dem von den 26 Teilnehmern gewählten Vorstand galten Anton und Wilhelm Wolf als die herausragende Förderer des „Erftstolz“, besonders wenn es darum ging, die immer wieder auftretenden Finanzlücken zu schließen. Beiträge, Platzeinnahmen, die sonst gesammelten Gelder und die eigenen kümmerlichen Ersparnisse deckten nie voll den Bedarf. Immer wieder wurden die Sportbegeisterten aufgefordert, mit dem Aufwand ihrer ganzen Überredungskunst dem Geldbeutel manchen Bürgers – trotz ablehnender Einstellung gegenüber dieser verrückten Balltreterei – ein Geldstück zu entwinden. Selbst wenn das Geld für weite Fahrten nicht zusammen kam und man per Rad weite Anreisen zu machen hatte, ließ man sich nicht verdrießen. Die nächste Woche wurde besser gesammelt und der ganze Ort stand hinter der Sportjugend. Der Vereinswirt Adam Wolf, da immer noch kein fester Sportplatz zur Verfügung stand und abwechselnd auf einem Weide- oder Kleeacker gespielt werden musste. stellte zuerst ein Grundstück an der Rheidter-Chaussee und später im Bivvert zur Verfügung

    Die erste Mannschaft des SV „Erftstolz“ begann 1926 die Wettspiele im Bezirk Groß-Köln der DJK. Die Organe des Verbandes übernahmen fortan die Durchführung eines nach Spielklassen organisierten Wettspielbetriebes. Wenn auch die städtischen Mannschaften öfter unser Spielfeld beanstandeten, weil nicht das erforderliche Ausmaß vorhanden und wegen der vielen Unebenheiten es kein idealer Sportplatz sei, so rollte trotzdem das runde Leder unbeschadet der Tücken des Spielfeldes und keiner hätte voraussagen können, dass wir in dieser Klasse so gut abschneiden würden. Die vielen Höhen- und Tiefenunterscheide des Spielfeldes, die wegen der damals unantastbaren Eigentumsrechte nicht zu beseitigen waren, verursachten zur Erheiterung der Zuschauer, aber zum Leidwesen der Spieler, manche heitere Kapriolen.

    Quellen: Festschrift 40 Jahre SV „Erftstolz“ Niederaußem, Auszüge von Christian Weitz


    Mit dem Eintritt in den Bezirk Groß-Köln wuchs auch naturgemäß die Spielstärke der Gegner. Und so blieb es nicht aus, dass in den folgenden Jahren mit wechselnden Erfolgen gekämpft wurde. Neben stolzen Siegen gab es durch vermeidbare und unvermeidbare Niederlagen auch manch bittere Enttäuschungen. Aber all diese Rückschläge konnten den gesunden Vereins- und Kameradschaftsgeist innerhalb der Reihen der „Grün-Weißen“ nicht erschüttern. Viele Ältere mussten schweren Herzens dem aktiven Sport Lebewohl sagen. 1931 konnte die einzige Jugendmannschaft den Gruppensieg Köln-Land der DJK erringen. Jugendleiter Christian Schmitz nahm sich dann der Schüler an. In den ersten der 30iger Jahre bemühte man sich dann um den Aufbau einer neuen ersten Mannschaft. Einige der Aktiven hatten mangels Möglichkeit in unserem Verein vorübergehend in der Reserve bei Jugend Bergheim 07 gespielt. Als der Ruf an Sie erging, kamen sie sofort zum „Erftstolz“ zurück. 1933 hatten wir dann wieder ein gute und schlagkräftige erste Mannschaft zusammen. 

    Durch die Gleichschaltung nach 1933 wurde der Sportverein „Erftstolz“ in der DJK aufgelöst und jegliche Betätigung verboten. Beim Vorsitzenden Johann Heinen fand polizeiliche Haussuchung statt. Das Vereinsvermögen wurde beschlagnahmt und durch die S.A. eingezogen. Selbst eine geschlossenen Teilnahme (in Zivil) der ehemaligen Sportler bei der Beerdigung der Vereinswirtin im Oktober 1933 wurde vom damaligen Bürgermeister verboten.. Als Freunde der Verstorbenen legten dann zwei ehemalige „Erftstolzen“ dennoch einen Kranz am Grabe nieder. Der Sport kam ab da in Niederaußem zum Erliegen. Einige Aktive schlossen sich dem Fußballclub Fortunagrube an… 

  • Teil 3: 1945 bis 1950

    Wiederaufleben des SV „Erftstolz“

    WIEDERAUFLEBEN DES SV „ERFTSTOLZ“

    Quellen: Festschrift 40 Jahre SV „Erftstolz“ Niederaußem, Auszüge von Christian Weitz

    Nach Ende des Zweiten Weltkrieges trat ein totaler Zusammenbruch in allen Lebensbereichen ein. Auch der Sport befand sich in einem hoffnungslosen Zustand. Einschränkende Maßnahmen der Besatzung wie Verbote, Bestimmungen und Verordnungen mancher Art erschwerten in gleichem Maße wie Unmöglichkeit der normalen Materialbeschaffung die Wiederaufnahme des allgemeinen Sportbetriebes. Zudem hatten Niederaußems neue Gemeindeväter den Fußballplatz am Friedhof umpflügen und in Kleingärten aufteilen lassen. Damit entstand der Jugend, die mit Kriegsende sofort wieder am Ball war, ein großes Hindernis. Aber neue Kräfte fanden sich für die Wiederaufnahme des Fußballsports und die RAG. gestattete den Spielbetrieb auf der Sohle des Tagebaues an der Bergheimer Chaussee. Diese zwangsläufige Berührung sportlicher Interessen mit Herren der RAG. brachte enorme Impulse für das Wiedererstehen des SV „Erftstolz“ und einen breit angelegten und organisierten Sportbetrieb. Wenn jetzt für die sportliche Belange Schritte unternommen wurden, hatte man dieses mächtige Unternehmen und nicht zuletzt die damals noch begehrten Brikett als Verbündete im Rücken. Es war daher nicht verwunderlich, dass neben den leitenden Herren auch viele Beschäftigte ihr Interesse dem Sport bekundeten. 

    Die Sportvereine waren politisch neutral und die meisten wünschten die Politik zum Teufel. Daher fand diese mögliche Basis für Gemeinsamkeiten stärkeres Interesse in der Bevölkerung. Nach anfänglich wilder Spielerei wurden die ersten Freundschaftsspiele mit den Mannschaften der Nachbarorte ausgetragen. In der Absicht, den alten Verein „Erftstolz“ mit den grün-weißen Farben wieder aufleben zu lassen versammelten sich alle Interessierten am 27. April 1946. Aus dieser konstituierenden Versammlung ging der Verein mit einem arbeitsfähigen Vorstand an den Wiederaufbau. Unter dem umsichtigen und sehr aktiven 1. Vorsitzenden Betriebs-Ingenieur Karl Scheuermann erlebte der SV „Erftstolz“ einen großartigen Aufschwung. Als erstes galt es einen Sportplatz zu schaffen. Die vielen Freunde und Förderer in der Firma RAG. halfen mit und das Unternehmen stellte ein Gelände in einer Größe von sieben Morgen ostwärts der Bahnlinie für diesen Zweck kostenlos zur Verfügung. Zuerst ging es darum, ein Spielfeld zu erstellen, damit der Wettkampfbetrieb in der zweiten Kreisklasse ordentlich abgewickelt werden konnte. Der Verein hatte sich nach seinem Wiedererstehen im Zuge der Neuordnung des gesamten Sportwesens dem Fußballverband Mittelrhein in Köln angeschlossen und wurde dem Kreisverband 6 in Bergheim zugeteilt. Hier hatte Jahrzehnte das Erftstolz - Mitglied Kasper Fünders den Vorsitz.

    Nach Fertigstellung des Spielfeldes kam man überein, der Sportanlage den Namen „Nordkampfbahn“ zu geben und die offizielle Grundsteinlegung am 01. September 1946 feierlich zu begehen. In dem Pylon am Eingang zum Sportplatz wurde durch den Bergwerksdirektor Scharf eine Urkunde eingemauert, die die Unterschriften der Herren des Gemeinderates, der Förderer der Firma RAG. und der Mitglieder des SV „Erftstolz“ trägt. Eine zweite Urkunde war den Bürgern zum Dank dafür gewidmet, dass sie durch Spenden zum Gelingen dieses Werkes mithalfen und trägt die Unterschriften der Spender. Diese Urkunde mauerte Gemeindebürgermeister Heinrich Orth ein. Bei dieser Veranstaltung waren 3.500 zahlende Zuschauer auf dem Gelände. Das Eröffnungsspiel trugen die „Erftstolzen“ gegen die befreundete Nachbarelf aus Rheidt aus und unterlagen mit 1:3 Toren. Danach spielte der Kreismeister 1945/46, FC Grefrath gegen Alemannia Aachen mit den internationalen Spielern Münzenberg und Gruber.
    Der Verein blieb nun fleißig um die Fertigstellung der „Nordkampfbahn“ bemüht. Täglich verbrachten freiwillige Helfer ihre gesamte Freizeit in der Schippkolonne auf dieser Großbaustelle. Insgesamt wurden von 3.939 Arbeitsstunden in gemeinnütziger Weise für diese Anlage geleistet. Die notwendigen Geräte und Baumaschinen stellte dafür Dr. Winkelnkemper vom Tagebau der RAG. kostenlos bereit. Der gesamte Ort war für den Sport mobilisiert. So ist es zu verstehen, dass bei der Jahreshauptversammlung des Sportvereins am Ostermontag 1947 im Saal Weitz die Mitglieder nicht alle fassen konnte. Über die Saaltreppe hinunter bis zum Hof standen die Interessenten. Gespannt wartete man auf die Bekanntgabe des Sportprogramms für 1947/48. Insbesondere wurde darüber diskutiert, in welchem Rahmen die im Sommer fertig werdende „Nordkampfbahn“ eine festliche Weihe erhalte. Durch rastlose Arbeit, Beharrlichkeit und Idealismus war der Termin der Fertigstellung gekommen. Der damalige Vereinsgeschäftsführer Johann Schmitz hatte mit umfangreichen, langfristigen organisatorischen Vorbereitungen die Voraussetzungen für ein gutes Gelingen des Festes geschaffen. Als Termin war der 2. bis 4. August 1947 vorgesehen. Für das Sportpublikum des Kreises Bergheim wurde ein „Fußball-Leckerbissen“ serviert. Der 1. FC Schweinfurt 05 mit vielen bekannten Internationalen spielte gegen Rot-Weiß Oberhausen unter Leitung des international bekannten Schiedsrichters Dr. Peco Bauwens,. Das Spiel endete 2:1. 12.000 zahlende Zuschauer hatte die Nordkampfbahn aufgenommen und die Platzeinweihung erhielt einen würdigen Rahmen. Für den geselligen Teil der Festivität war an Hintzens Scheune ein Riesenzelt aufgebaut. Der Vorsitzende des Deutschen Fußballbundes, Dr. Peco Bauwens, sprach zu 2.000 Gästen. Künstler von Rundfunk, Bühne und Film sorgten für Unterhaltung. Der bekannte Sportreporter Dr. Bernhard Ernst hatte mit einem Rundfunkwagen des NWDR die gesamte Veranstaltung aufgenommen und den Weihakt mit den sportlichen Höhepunkten in einer 20 Minuten Direktsendung im Sportfunk über alle westdeutschen Sender übertragen. Bei der Einweihung gaben vom Fußball die Jugend, die 1. und 2. Seniorenmannschaft und vom Handball je eine Damen- und Herrenmannschaft Proben ihres Könnens. 

    Am 24. August 1947 machte die „Erftstolz-Familie“ mit 721 Teilnehmern einen Ausflug nach Bad Honnef. Ab Niederaußem fuhr ein Sonderzug mit Musik nach Köln. Der Dampfer „Bismarck“, allein für den Verein gemietet, trug die grün-weiße Fahne des SV „Erftstolz“.

    Zugunsten der Kriegsbeschädigten wurden die Sportvereine des Kreises Bergheim zu einem Opferspiel aufgerufen. Der SV „Erftstolz“ spielte daher am 19. November 1947 gegen eine Künstlerelf vom Funkhaus Köln. Hier spielten u.a. Renè Deltgen, Willi Busse und Kurt Brumme in der „Nordkampfbahn. Auf schneebedecktem Spielfeld endete das Spiel 3:3. Für den guten Zweck kamen über 5.000 Reichsmark zusammen.

    Mit der Währungsreform 1948 wurden dem Verein echte organisatorische Grundlagen gegeben. Mit einer Satzung und einer Geschäftsordnung konnte die Eintragung im Vereinsregister des Amtsgerichtes Bergheim als e.V. vorgenommen werden.

    Die Währungsumstellung hatte zur Folge, dass erst im Spätsommer 1949 der Mut für eine große Veranstaltung wieder da war. Am 11. September 1949 wurde in der „Nordkampfbahn“ ein Fußball-Turnier durchgeführt und anschließend Musik du Tanz im Festzelt gefeiert. Eine große Tombola, die vom Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen genehmigt werden musste, hatte für damalige Verhältnisse außergewöhnliche Preise. Ein Motorrad, eine 3 Zentner schweres , lebendes Schwein und vieles andere lockte Besucher auch von außerhalb des Kreises Bergheim. 

    Der Reinerlös der Veranstaltung, 8.500 DM, diente den abschließenden Arbeiten an der „Nordkampfbahn“. Im Sommer 1950 wurde uns von der RAG. ein neues Sportlerheim übergeben. (Zwischenzeitlich wird das Gebäude als Wohnhaus genutzt). 

    Während zu Beginn des Jahrs 1947 noch 301 Mitglieder gezählt wurden, machten sich Anfang der 50er Jahre die Folgen der freien Marktwirtschaft und des Wirtschaftswunders bemerkbar. Durch die Änderung der Lebensgewohnheiten verlor der Verein eine große Zahl seiner Inaktiven und Förderer. 

     
  • Teil 3a: 1947

    Dieser Teil ist als eingescannter Zeitungsartikel im PDF-Format verfügbar. Es wird ein PDF-Viewer (BSP: Adobe Reader) benötigt.

  • Teil 4: 1950 bis 1970

    Krise überwunden

    KRISE ÜBERWUNDEN

    Quellen: Festschrift 40 Jahre SV „Erftstolz“ Niederaußem, Auszüge von Christian Weitz

    Während zu Beginn des Jahrs 1947 noch 301 Mitglieder gezählt wurden, machten sich Anfang der 50er Jahre die Folgen der freien Marktwirtschaft und des Wirtschaftswunders bemerkbar. Durch die Änderung der Lebensgewohnheiten verlor der Verein eine große Zahl seiner Inaktiven und Förderer. 

    Zwangsläufig führte dies zu organisatorischen Veränderungen und 1953 legte der sehr verdienstvolle 1. Vorsitzende Karl Scheuermann sein Amt nieder. Die Jahreshauptversammlung wählte Rektor Heinz Reisinger zu seinem Nachfolger. Das viele personelle Veränderungen nicht immer Nutzen bringen spürten besonders die Fußballer. Inzwischen in der ersten Kreisklasse spielend, konnten sie den Klassenverbleib nicht erkämpfen und stiegen wieder in die zweite Kreisklasse ab. Die nächsten Spieljahre brachten keine bemerkenswerten sportlichen Erfolge. Trotzdem bereitete der Vorsitzende die Feier zum 30-jährigen Bestehen im Jahre 1956 mit viel Hingabe vor und sorgte für einen würdigen Rahmen der Jubiläumsfeier. Besondere Auszeichnungen erhielten Ehrenmitglied Karl Scheuermann und Jugendleiter Anton Schmitz. Zur Jahreshauptversammlung 1957 gab dann Rektor Reisinger die Vereinsführung an seinen bisherigen Stellvertreter Hans Königsdörfer ab, der 1962 zurück trat. Während dieser Amtszeit schafften es die Fußballer wieder in die erste Kreisklasse aufzusteigen. 

    Die Alte Herren, die bis dahin ein Eigenleben etwas abseits des Vereins führte, fanden wieder guten Kontakt zum aktiven Sportgeschehen und ihr Obmann erhielt Sitz und Stimme im Vereinsvorstand. Dieses gedeihliche Miteinander brachte dem Verein großen Gewinn, da er bei der Besetzung der vielen wichtigen Funktionen auf die erfahrenen alten Haasen nicht verzichten kann. Durch den Aufstieg der ersten Mannschaft kam es wieder zu einer allmählichen Zunahme aktiver Fußballer, auch durch das Ansteigen der Einwohnerzahl. Es wurde möglich, eine 2. Seniorenmannschaft in den organisierten Spielbetrieb der dritten Kreisklasse einzureihen. Sie schlugen sich tapfer und erreichten nach der Spielzeit 1963/64 den Aufstieg in die 2. Kreisklasse. 

    Ab dem 01.11.1963 hat die Gemeinde das Grundstück „Nordkampfbahn“ käuflich erworben. 1967 konnte der Tennenplatz mit Flutlichtanlage eingeweiht werden, 1971 folgte dann die Inbetriebnahme des Rasenplatzes. 

    Die Krise aus den 50er Jahren war längst überwunden.

    Mit Christian Weitz folgte dann ein Vorsitzender, der die Geschicke des Vereins über einen sehr langen Zeitraum leitete und später zum Ehrenvorsitzenden ernannt wurde. 

  • Teil 5: nach 1970

    Der Text wird derzeit noch zusammengestellt. Wer Informationen (Bilder, Dokumente und Informationen) dazu beitragen kann, dessen Hilfe ist gern gesehen.

    Hier ein paar erste Daten (Korrekturen und Ergänzungen sind erwünscht)

    Fußballjugend

    Die Fußballjugendabteilung hatte ihre "Hochzeit" von Mitte der 70er bis Anfang der 80er Jahre als begünstigt durch das damalige Neubaugebiet hinter der Paulusstraße so viele Kinder in Niederaußem Fußball spielten, dass man in nahezu allen Jahrgängen zwei 11er-Teams (kleinere Mannschaftsstärken gab es damals noch nicht) stellen konnte. Man spielte mit den ersten Teams dauerhaft in der Sonderstaffel und hatte mit den Jahrgängen 1968 bis 1970 einen Dauerkreismeister trainiert von Gottlieb Lessenich. Während die Oberaußemer in dieser Zeit unseren Senioren um Klassen überlegen waren, war es bei der Jugend genau umgekehrt. Ab Mitte der 80er wurde die Zahl der Kinder geringer und langsam verloren wir auch unsere Sonderstaffelplätze. In der jüngsten Vergangenheit spielten erstmals wieder Teams vom SV Erftstolz in den höchsten Klassen des Kreises.

    Jugendleiter

    • ???? bis ca. 1981 Peter Hilgers
    • 1981 bis 1987 Werner Kieslinger
    • 1988 bis 1990 Peter Hesse
    • 1990 bis 2002 Franz Ebert
    • 2002 bis 2008 Wolfgang Sevenich
    • 2009 bis 2010 Werner Wahl
    • 2011 bis heute Felix Kaltwasser
    • 2018 bis heute Uwe Schmitz

    Fußballsenioren

    Abteilungsleiter:

    • 1994 bis 2006 Picco Hintzen
    • 2006 bis heute Klaus Schmidt